Machst Du diese 4 Fehler bei der Formulierung Deiner Forschungsfrage?

Du schreibst eine Hausarbeit oder sogar Deine Abschlussarbeit und Dein Thema ist (mehr oder weniger) eingegrenzt? Dann geht es zunächst darum eine Forschungsfrage zu formulieren: Da das eine Herausforderung sein kann, wie Du bestimmt weißt, habe ich Dir hier vier Fehler zusammengefasst, die Du nach dem Lesen dieses Artikels bestimmt nicht mehr machst.

Nr. 1 Du formulierst keine Frage sondern bleibst bei einem Thema:

Du trägst Dein Thema in die Liste ein und bist froh über Deiner Wahl. Du hast vielleicht das Gefühl, es könnte eine interessante Arbeit werden. Deine Motivation ist evtl. sogar verhältnismäßig hoch.

Eigentlich könnte es losgehen. Aber warum brauchst Du jetzt noch eine ForschungsFRAGE? Kann es nicht einfach das ausgewählte Thema sein?

Nein, so einfach ist es leider nicht.

Am besten wir schauen uns ein Beispiel an:

Thema: Die Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

Super oder? Damit kann es ja eigentlich losgehen? Thema steht, Literatur heraussuchen und darauflos schreiben.

Dabei kann aber leicht folgenden passieren:

Dein gewähltes Thema bleibt der Ausgangspunkt für deine Arbeit und du formulierst keine Forschungsfrage.

Ein Thema ist zunächst von allgemeinerer Natur, es ist inhaltlich umfassender angelegt. Wenn du es nicht in einer Forschungsfrage differenzierst wird es bei dem Umfang Deiner Studienarbeiten (egal welcher Art) lediglich allgemein bleiben können.

Um auf das Beispiel zurück zu kommen: Du kannst auf 10-20 Seiten gar nicht die gesamten Auswirkungen von Armut auf die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen beschreiben.

Du kratzt also zwangsweise nur an der Oberfläche des Themas. Das führt dazu, dass Du entweder nach 3 Seiten nicht mehr weißt was du schreiben sollst oder Du verzettelst dich total, da Du versuchst, so viele Aspekte wie irgendwie möglich auf den wenigen Seiten unterzubringen. Deine Arbeit wird zusammenhangslos.

Resultat: Es macht definitiv keinen Spaß mehr.

Also: Formuliere eine Frage!

Nr. 2 Du formulierst die Frage erst zum Ende deiner Arbeit:

Zugegeben: Bei manchen Themen, besonders wenn sie für Dich noch relativ neu sind, ist eine Recherche vorab sinnvoll. Schließlich brauchst Du ja einen Überblick. Du musst abschätzen können, welcher Bereich des Themas tatsächlich „etwas hergibt“ und wie Du die entsprechende Literatur einschätzen kannst.

So passiert es leicht, dass Du interessante Stellen schon einmal notierst, eine Definition schreibst usw.

Schneller als Du gucken kannst hast du drei oder vier Seiten geschrieben.

Du musst jetzt also die Frage formulieren, obwohl du schon etwas geschrieben hast (entscheidest du dich an dieser Stelle ganz allgemein gegen eine Frage siehe Fehler Nr. 1).

Dabei gibt es zwei mögliche Szenarien:

Im besten Fall: Du formulierst eine Frage, die super passt und kannst ganz entspannt weiterschreiben/abgeben!

Im schlimmsten Fall: Inhalt und Frage passen einfach nicht gut zueinander und Deine inhaltliche Stringenz, dein Roter Faden ist in Gefahr (und im absoluten „worst case“ damit auch Deine Note).

Schlimmster Fall II: Du verliest kostbare Zeit, die Du entweder in das Tüfteln an der Frage stecken musst oder in das anpassen/kürzen/streichen des bereits erstellten Textes.

Also: Formuliere eine Frage zu Beginn Deiner Arbeit!

Nr. 3 Du investierst keine Zeit in deine Frage

Das soeben angesprochene fundamentale Problem beim Schreiben von Studienarbeiten verdient einen eigenen Abschnitt: Die Zeit!

Abgabefristen, weitere Arbeiten oder schlicht und einfach fehlende Motivation verschaffen uns regelmäßig ernsthafte Zeitprobleme. Da kann es leicht passieren, dass der Forschungsfrage nicht die Zeit gewidmet wird, die sie verdient hätte.

Vielleicht liegt es daran, dass ihre Bedeutung für die gesamte Arbeit, und damit meine ich nicht nur für Deine Note, sondern ganz konkret auch für Deinen Lernerfolg, nicht genügend betont wird.

Deine Frage braucht eine angemessene Zeit um zu entstehen. Nimmt Dir die Zeit zu Beginn Deiner Arbeit und Du bist schon mal einen großen Schritt weiter. Du erhöhst dadurch nämlich die Chance, sie auch qualitativ beantworten zu können.

Damit ist es allerdings nicht ganz getan. Einen letzten Fehler musst Du noch vermeiden:

Aber merke: Nimm Dir Zeit für Deine Frage!

Nr. 4 Die erste Frage, die dir einfällt wird unverändert genommen. Du überprüfst sie nicht:

Wenn es nur so einfach wäre: Thema aussuchen, Frage formulieren, schreiben, fertig.

Leider wird man merken, wenn Du Deine Frage aufschreibst und sie nicht noch einmal überarbeitest (wenn nicht: Verrat mir doch bitte Dein Geheimnis).

In den seltensten Fällen ist das, was wir zu aller erst produzieren schon so gut, dass es unverändert stehen bleiben kann. Es gibt bestimmte Methode, mit denen Du Deine Forschungsfrage checken kannst: Die wohl bekannteste ist die S-M-A-R-T-Methode:

Spezifisch
Messbar
Akzeptiert
Realistisch
Terminiert

Wir können das ganze ja einmal durchspielen: Das Thema Armut:

Welche Auswirkungen hat Armut auf Kinder und Jugendliche?

Oder aber: Welche Auswirkung hat Armut auf die sozio-emotionale Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren?

Probiere es am besten selbst einmal aus und vor allem: Versuch ehrlich zu sein. Wenn Du beispielsweise nichts messbares findest, dann ist das vielleicht tatsächlich so. (Akzeptiert kannst Du etwas außen vor lassen, dass ist eher für Gruppenprozesse).

Du kennst bestimmt auch noch andere Methoden um die Präzision zu überprüfen. Sie haben ihre Berechtigung und wir sollten diese Methoden anwenden.

Neben der SMART-Regel ist auch das Prinzip der Einfachheit bei Forschungsfragen angebracht. Sind Deine Formulierungen sauber? Machen sie Sinn? Gibt es etwas, was Du einfacher ausdrücken kannst?

Noch ein Beispiel:

Welche gerichteten Effekte hat ein sozio-ökonomisch schwacher Status auf die bedeutende Entwicklungsphase der ersten drei Jahre insbesondere auf das Gedeihen sozio-emotionale Kompetenzen?

Oder aber wie oben: Welche Auswirkung hat Armut auf die sozio-emotionale Entwicklung in den ersten drei Lebensjahren?

Wichtig: Überprüfe Deine Forschungsfrage!

Fazit:

Eine gute Forschungsfrage ist das Fundament Deiner Arbeit!

Alle weiteren grundlegenden Entscheidungen orientieren sich an dieser Frage. Sie hat Einfluss auf die Qualität Deiner Arbeit (und auch auf deine Note).

Versuche so früh wie möglich in einem eindeutigen Satz festzuhalten, welche Forschungsfrage Du beantworten willst: Worüber willst Du deine Arbeit schreiben?

Im Schnelldurchlauf:

Formulier eine Frage.
Tu dies zu Beginn Deiner Arbeit.
Nimm Dir Zeit dafür.
Überprüfe sie.

Hast Du Tipps für uns zum Thema „Forschungsfrage“? Ich bin gespannt davon zu hören.

Literaturempfehlung: Kornmeier, M. (2013).Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht für Bachelor, Master und Dissertation. UTB S. 56-70: Die Suche nach der zentralen Forschungsfrage: Welches Rezept soll´s denn sein.

 

1 Kommentar

  1. Das sind wirklich hilfreiche Tipps! Vielen Dank auch für die Literaturempfehlung :)
    Da schaue ich vor der Masterarbeit definitiv nochmal rein.

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